Mir selbst treu

Dir selbst treu zu bleiben bedeutet, für dich selbst einzustehen und nach deinen eigenen Werten zu leben. Es heißt, dein eigenes Leben so zu führen, dass dein Tun im Außen mit deiner Innenwelt im Einklang ist. Dass du auf dem Weg bleibst für das, was du dir wünscht, was dir wichtig ist, was du für richtig hältst. Doch irgendwie ist das oft leichter gesagt, als getan. Außerdem ist da auch dieser Wunsch “authentisch zu sein” – doch das ist irgendwie so ein ungreifbares Wort, von dem nie jemand wirklich weiß, was das genau ist. Obwohl Selbsterfüllung eigentlich ein so wichtiges Bedürfnis zur Ich-Werdung ist, wirkt es manchmal so, als wäre dieses "Super-authentische" einfach zu einem trendigen Lifestyle geworden. Doch wer entscheidet, ob ich jetzt authentisch bin oder nicht? Woran erkenne ich in Übereinstimmung mit mir selbst zu sein? In diesem Artikel erzähle ich, wie ich erkannt habe, was “sich selbst treu sein” wirklich bedeutet und was die Basis für ein authentisches, integeres Leben ist. Dieser Weg war schmerzlich. Reinigend, wie ein warmer Sommerregen (mit Gewitter). Und schließlich auch sehr belebend.


Authentisch sein, integer leben

Ich persönlich spreche lieber davon, eine integere Person zu sein oder zu werden; eine, die sich ihrer selbst bewusst ist und somit entsprechend der eigenen Werte, Ideale, Vorstellungen handelt. Denn genau genommen ist das Authentisch-sein die kleine Schwester der Integrität: Kinder zum Beispiel agieren unmittelbar, impulsbasiert, in diesem vollkommenen Eingesogen-sein in den Moment. Das authentische Handeln ist also vielmehr eine Übereinstimmung mit den Empfindungen und Gefühlen, aus dem Moment heraus, ohne gedanklich zu zensieren. Nun, im Laufe unseres Lebens haben wir glücklicherweise gelernt, uns zu regulieren, weil das eine wesentliche Fähigkeit im sozialen Zusammenleben ist. 

Der eigenen Sozialisierung trotzen

Allerdings kann es sein, dass das heute einen inneren Konflikt erzeugt. Dass diese verinnerlichte Regulierung durch erzieherische Überzeugungen der Eltern oder noch früherer Generationen etwas anderes will, als du als erwachsene Person: Da sind Überzeugungen, die gesagt werden wollen. Das sind Werte, die im Alltag realisiert werden wollen, obwohl sie dem eigenen Familiengefüge entgegenstehen. Da sind Bedürfnisse, die erfüllt und Gefühle die gezeigt werden wollen. Seien wir ehrlich: Masken tragen wir alle. Sie haben ihre Aufgabe. Doch mitunter gibt es im Leben diesen Punkt, wo es unerträglich wird, sich anzupassen, zu verbiegen. 

Und die Frage, ist da die Frage: bist du dir dessen bewusst, was hier nach Außen drängt, was gelebt und gezeigt werden will? Bist du bereit, dafür die Verantwortung zu übernehmen? Das können Gefühle und Empfindungen sein, die uns Hinweise auf darunter liegende Bedürfnisse geben. Das können aber genauso Überzeugungen und Werte sein, die gelebt und vertreten werden wollen – um das Leben so zu führen, wie du es richtig findest. Über den Mut zur Ehrlichkeit habe ich hier auch etwas geschrieben.

Mir selbst treu sein und auf Widerstand stoßen

Wenn man so will, hab ich erst wirklich spät verstanden, was es bedeutet sich selbst treu zu sein. Nämlich im umgekehrten Sinn: wenn Menschen aus ihrer bekannten Rolle fallen oder sie so verändern, wie man es bisher nicht kannte; wenn sie neue ungewohnte Prioritäten setzen; oder auch, wenn sie unbekannte Seiten zeigen, von denen man noch nicht weiß, was sie bedeuten. Sich selbst treu zu sein kann also wie das Lüften eines schweren Vorhangs sein; wie wenn ein sonst tadelloser Schauspieler aus der Rolle kippt – selbst wenn sich dadurch etwas Wahres zeigt, mutet es im ersten Moment irritierend, unauthentisch, falsch an. Weil es nicht zur bisherigen Geschichte passte.

Es ist meine Verantwortung, mir selbst treu zu sein

Und irgendwann war ich dann ein Patchwork-Kind. Was sich jetzt in einem Satz so schnell schreiben lässt, war ein jahrelanger, aufwühlender Prozess, der damit begonnen hatte, dass sich das Familiensystem verschoben hatte und ich nicht mehr wusste, was in meinem Leben wichtig und richtig war. Ich nannte es “Tabula Rasa” – ein radikaler Neubeginn, wie ein unbeschriebenes, leeres Blatt Papier. Es war ein Krisenmoment, in dem mir meine Werte, das, was ich bisher geglaubt hatte und das, woran ich mich orientieren konnte, verloren gegangen war.

Eigentlich war ich eh kein Kind mehr. Es war kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag. Ein Zeitpunkt, der mit dem Wechsel ins selbstverantwortliche Erwachsenenleben für sich schon einen krisenhaften Moment in sich barg. Was sollte ich mit meinem Leben anfangen? Was wollte ich erreichen, verwirklichen? Aufgewachsen als Kind der 90er hieß es allerorts, die Welt stünde mir offen. Ich hätte alle Möglichkeiten. Ich könnte alles sein und leben. (Lassen wir diese Lebenslüge mal so stehen. Vielleicht schreibe ich mal ein anderes mal über diese Geschichte.)

Wenn Verbiegen ein zu hoher Preis ist

Nun, es war in dieser Zeit, als ich erfuhr, was es für ein ganzes Familiensystem bedeutet, wenn nur eine einzelne Person für sich entscheidet, etwas vollkommen Anderes zu machen als bisher. Heute habe ich – auch durch diese Erfahrung – ein vollkommen anderes Verständnis dafür, wie das Tun einer einzelnen Person auf sein oder ihr Umfeld wirkt; wie wir in unseren Systemen verbunden sind. Und welche Verantwortung auch damit einher geht.

Ich habe auch verstanden, dass es heikel ist (sehr heikel), der eigenen Wahrheit zu folgen. Dass das ungemein verletzend sein kann. Dass das Wunden reißen kann, deren Heilung eine Lebensaufgabe bedeuten können. Oder umgekehrt: war es nicht vielmehr das Verschleiern, das Anpassen, das Verbiegen und Mitspielen in the first place – war es nicht diese Unehrlichkeit, diese Feigheit, Verantwortung für das Eigene zu übernehmen, die diese Verletzung schließlich vollzog? Darüber nicht zu emotional zu werden und was es heißt gefühlskompetent zu sein, habe ich auch hier etwas geschrieben.

Die Freiheit des integeren Lebens

Denn ja: eine Befreiung war es gleichzeitig. Und ist es nicht begrüßenswert, nach Freiheit zu streben? Nach dem guten Leben? Nach Glück abseits von Normen und Erwartungen? Sich selbst treu zu sein kann erschüttern und beleben gleichermaßen. Es kann beängstigend sein. Über die 7 Gründe, warum Menschen Angst haben, selbstbestimmt zu leben, habe ich hier geschrieben.

Und aufatmen lassen. Schließlich.

Nichts desto trotz war ich überzeugt, dass diese Freiheit, dieses Glück, diese Selbsterfüllung auch anders zu erreichen sein müssten. Damals, als jungerwachsene Frau, hab ich gelernt, dass ich nicht erst eines Tages aufwachen will, um plötzlich alles hinter mir zu lassen und "meinen Weg" auf einem Scherbenhaufen zu gehen. In erster Reaktion entwickelte ich eine Ablehnung gegen jeglicher Form von Lebenslügen (frei nach dem Dramatiker Henrik Ibsen), gegen Unehrlichkeit, Unaufrichtigkeit, Ignoranz und Feigheit.

Heute betrachte ich diese Dinge aus einer mitfühlenden Perspektive, die milde geworden ist. Heute habe ich ein anderes Verständnis für die Gefangenschaft der Sozialisierung, in der wir alle stecken und die unser Selbstverständnis, unsere Beziehungen, unsere Entscheidungen und Lebenswege maßgeblich mitbestimmt.

4 Werte im Leben, auf denen das authentische Sein und integere Leben aufbaut

Dennoch, der Antrieb aus dieser Erfahrung, der bis heute blieb:
Ich wollte mein Leben solide auf meiner Wahrheit aufbauen – und begann dafür Verantwortung zu übernehmen. 

Auf Ehrlichkeit mir selbst und meinen Liebsten gegenüber.

Auf Offenheit über das, was in mir und in dem/der Anderen da ist; über das, was ich und er/sie braucht.

Auf Verbundenheit auch durch Reibereien hindurch.

Auf Vergebung und Liebe, weil wir alle am Ende des Tages nur Lernende sind.

Heute weiß ich, dass meine Freiheit auf der Eigenverantwortung für jeden meiner Schritte und jedes meiner Worte beruht. Heute weiß ich, dass Vertrauen auch darauf basiert, sich aufeinander verlassen zu können, auf das Wort, das in der Form gilt, in der es gesagt wurde. Es liegt darin eine solche Klarheit, eine Leichtigkeit. Selbst im Unbequemen. Heute weiß ich, dass es wichtig ist, die unmittelbare Wahrheit des oder der Anderen aushalten zu können, selbst wenn das eigene Herz vibriert; dass ich für meine Erfüllung selber zuständig bin und Verbundenheit eine Absicht ist, die sich in ihrer Tonalität und Achtsamkeit im Austausch zeigt. Und dass Liebe bedeutet, die andere Person frei zu geben.

Sich selbst treu sein ist eine Lebenseinstellung, die Verbundenheit schafft

Es ist keine Überraschung, dass alle Fäden der Vergangenheit zu genau dem heutigen Moment führen. Und so kommt es, dass ich heute Menschen dabei begleite, Entscheidungen bewusst zu treffen, Konfliktmuster zu transformieren, Beziehungen auf eine gute Basis zu stellen, Prioritäten im Beruf zu klären und in sich selbst klar und gut verbunden zu bleiben. Und so kommt es, dass du dich fragst, wie das ist mit dem echten Leben und meinen Text hier liest.

Denn sich selbst treu zu bleiben ist nicht nur eine innere Haltung, sondern eine solide, wertvolle Basis, um sich das eigene Leben darauf nachhaltig aufzubauen. Ein Leben, das deshalb nicht egozentrisch ist – ganz im Gegenteil. Die eigenen Beziehungen und sein Umfeld auf den Werten von Ehrlichkeit, Offenheit, Verbundenheit und Liebe aufzubauen, schafft Vertrauen, hat das Gemeinwohl im Sinn und lässt gleichzeitig Freiheit das Ureigene zu entfalten.

Wusstest du, dass Eigenverantwortung und Netzwerkorientierung (also, gute Beziehungen zu leben) zwei von sieben Faktoren sind, die deine Resilienz stärken. Über die Resilienz und ihre 7 Säulen, kannst du hier nachlesen.

Schluss mit Zerdenken, weil du dir das alles anders vorgestellt hast. Finde heraus, wo dein Potential liegt, um deine Resilienz zu stärken und komm raus aus dem Tief. Lebe endlich, wie du willst – unbeschwert und glücklich.

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Über die Autorin

Mag.a Anna Kromer ist Female Life Coach & Dipl. Psychologische Beraterin. Als Innenwelt-Forscherin unterstützt sie Frauen mit scharfem Geist, Intuition und Humor dabei, eine kraftvolle und klare innere Haltung zu entwickeln, um sich selbst treu zu sein. Frei von sozialisierten Blockaden. Für ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben – im wertschätzenden Miteinander.

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